März 24, 2021

Die Neufassung des Beitrags zur Burg Salla-Klingenstein macht mich ein wenig wehmütig und nachdenklich:

Der Artikel wurde im Jahr 2000 auf burgenseite.com in der Rubrik „unbekannte Burgen“ veröffentlicht, weil es damals außer einem Grundriss im Miniformat von W. Knapp kaum Informationen zu dieser Anlage gab.
Mein Grundrissplan dazu wurde im Februar 1999 vermessen und im April 1999 gezeichnet. Die Burg war damals eine Vollruine, aber die Anwesenheit von Arbeitsgerät und einer Mischmaschine deutete schon darauf hin, dass hier Baumaßnahmen im Gange oder zumindest geplant sind.
Heute, also 21 Jahre später, ist die Burg teilweise wieder aufgebaut und um mehrere Stockwerke gewachsen. Es existiert ein für österreichische Burgen außergewöhnlich langer und gut recherchierter Wikipedia-Artikel. Im Jahr 2013 wurde die Burg zum Gegenstand einer Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Philosophie an der Karl-Franzens Universität Graz am Institut für Archäologie (vorgelegt durch Levete Horváth), in der mein Artikel aus dem Jahr 2000 als Quelle zitiert und kritisch hinterleuchtet wurde. 2005 erschien der Band „Burgruinen der Steiermark“ von Werner Murgg mit Plänen von Gerhard Reichhalter und Martin Aigner, in dem auf Salla-Klingenstein enthalten ist, und der 2021 eine neue und erweiterte Auflage erfahren soll.

Wenn ich nun heute im Jahr 2021 versuche den Artikel über die Burg Salla-Klingenstein auf den neuesten Stand zu bringen, muss ich mir eingestehen, dass das Wertvollste wahrscheinlich die Fotos aus den Jahren 1994 bis 1999 sind, auf denen die Burg im ursprünglichen ruinösen Zustand zu sehen ist. Und dass mein wesentlichster  Beitrag zur Bauforschung an dieser Burg die Möglichkeit ist zu dokumentieren, was hier Original und was Wiederaufbau ist.
Mit Freude nehme ich auch zur Kenntnis, dass in den vergangenen 20 Jahren die Burgenforschung zu einer etablierten Wissenschaft geworden ist, in der man auch Diplomarbeiten und Doktorarbeiten abliefern kann, dass nun im Denkmalschutz nicht nur über die Vergoldung von Barockaltären diskutiert wird, sondern auch über das Wesen von mittelalterlichen Wehrbauten. In den Publikationen zu Burgen sind die vor wenigen Jahrzehnten üblichen Fehlleistungen wie „Turm wahrscheinlich aus römischer Zeit“, „Berchfrit das älteste Gebäude an der höchsten Stelle der Burg“ , „ Bollwerk gegen den Ungarn-Sturm“ großteils verschwunden und wurden durch detailverliebte Diskussionen ersetzt, ob eine Bauphase nun in die „2.Hälfte des 3.Drittel des 13. Jahrhunderts“ oder doch „um 1300“ zu datieren sei.

Erfreulich ist, dass Burgen in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt sind und viele Privatpersonen es sich zur Aufgabe gemacht haben, verfallende mittelalterliche Gemäuer zu dokumentieren, zu retten und zu sanieren.
Durch all diese Faktoren ist die Kategorie der „unbekannten Burgen„ aus dem Jahr 2000 deutlich geschrumpft. Und das ist auch gut so!

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