Hauenstein
Stmk / Bez. Voitsberg / Gem. Gallmannsegg

Lage:

Hauenstein liegt in 960 Metern Seehöhe auf einer Rückfallkuppe, die nur über einen etwa 180 Meter langen, schmalen Sattel mit dem davor liegenden Hang der Gleinalpe verbunden ist.
Der Burgweg ist am Rücken dieses Sattel geführt und nähert sich der Burg von Norden. Er ist schon 180 Meter und 70 Meter vor der Burg durch tiefe Halsgräben unterbrochen, die auf Brücken zu überqueren sind. Der Burgweg  endet westlich unterhalb der Burg, wo eine Zugbrücke über einen letzten, heute verschütteten Halsgraben  zum ersten Burgtor führte.

 

Hauenstein: Grundriss und Baualterplan, 2000
Hauenstein: Grundriss und Baualterplan, 2000
Hauenstein: äußeres Burgtor mit Zugbrücke
Hauenstein: Erstes Burgtor mit Zugbrücke
Hauenstein: Zweites Burgtor
Hauenstein: Zweites Burgtor

Äußere Vorburg:

Hinter dem ersten Tor liegt ein schmaler Vorburgbereich, der sich halbkreisförmig um das südliche (hintere) Ende der Kernburg erstreckt. Die Umfassungsmauer ist nur an der Westseite erhalten, der Verlauf an der Süd- und Ostseite läßt sich nur noch durch eine Geländekante erahnen.

Hauenstein: Äußere Vorburg. Links das erste, rechts das zweite Burgtor
Hauenstein: Äußere Vorburg. Links das erste, rechts das zweite Burgtor, Foto 1998
Hauenstein: Reonstruktionsversuch der Burg um 1500
Hauenstein: Reonstruktionsversuch der Burg um 1500

Unterer Burghof:

Knapp hinter dem ersten Tor führt linker Hand ein breites Rundbogentor in die Kernburg, die in zwei auf unterschiedlichen Niveaus gelegen Bereiche geteilt ist. Es konnte mit einem langen, in einem Riegelkasten gelagerten Schubriegel verschlossen werden. Das Torgewände ist leicht abgefast, sitzt primär im Mauerwerk und kann in die Zeit um 1400 datiert werden. Über dem tor ist ein aus plattigen Steinen geformetr Entlastungsbogen zu sehen.
Hinter dem Tor liegt eine ebene, etwa halbkreisförmige Fläche die einerseits von der polygonalen Ringmauer, andererseits von einer geraden Futtermauer begrenzt ist, die den Felsen verkleidet, der den oberen Burgbereich trägt.
Der untere Burghof dürfte mit randständigen Wirtschaftsgebäuden verbaut gewesen sein. So läßt eine in der Ostecke hoch in der Ringmauer angebrachte, schräg nach oben verlaufende Rechtecköffnung auf eine Küche oder Esse schließen.

Hauenstein: unterer Burghof links das zweite Burgtor, rechts der Aufgang zur Hochburg
Hauenstein: unterer Burghof, links das zweite Burgtor, rechts der Aufgang zur Hochburg
Hauenstein: unterer Burghof, Blick gegen Osten.
Hauenstein: unterer Burghof, Blick gegen Osten.

Aufgang zur Hochburg:

Knapp hinter dem 2. Tor führt eine weitere breite Türe über eine steile, aus Steinblöcken geformte Treppe hinauf zur eigentlichen Kernburg. Im Hang neben der Treppe ist eine in den Felsen gehauene Zisterne mit einem Durchmesser von etwa 3 Metern zu sehen.

Hauenstein: Aufgang zur Hochburg, links hinter dem Tor die Zisterne
Hauenstein: Aufgang zur Hochburg, links hinter dem Tor die Zisterne
Hauenstein: Schnitt durch den Wohnturm, Blickrichtung nach Süden, Skizze ohne Maßstab
Hauenstein: Schnitt durch den Wohnturm, Blickrichtung nach Süden, Skizze ohne Maßstab

Wohnturm:

Im Zentrum des oberen Burghofs steht ein Wohnturm von leicht rechteckigem Grundriss ( 9,68 x 10,63 m) und einer Mauerstärke von etwa 150 cm.
Das Mauerwerk würde ich im Gegensatz zur jüngsten Literatur keineswegs als lagig beschreiben. Vielmehr wechseln sich plattige Steine mit großformatigen, wenig bearbeiteten Bruchsteinen ab, ohne dass Lagen oder auch nur Abgleichlagen erkennbar wären. Auch die primär im Mauerwerk sitzenden Fenster deuten eher auf eine Errichtung im fortgeschrittenen 14 Jahrhundert oder frühen 15. Jahrhundert hin.

 

Erdgeschoß:

Der Zugang erfolgt heute im Süden im Erdgeschoß. Innen ist der Turm durch sekundär eingestellte Trennwände in 2 Hälften geteilt.

An der Ostseite sind zwei sekundäre eingebaute, querrechteckige Fenster so angebracht, dass die Mittelsprosse genau über der an dieser Stelle zurückgenommenen Wandstärke der Trennwand liegt.

In der Trennwand ist mittig ein angefastes Spitzbogenportal verbait, das noch zur Hälfte erhalten ist.
Links davon ist die vordere Raumhälfte noch einmal durch eine Querwand abgetrennt. Hinter der verschütteten Türe wäre der ogische Platz für eine Treppe in die oberen Geschoße.
an der Ost- und Westseite sind der Turmwand etwa 60 cm breite Bögen vorgestellt, die zur Auflage einer Holzbalkendecke, bzw. des Fußbodens im 1.OG dienen.

Alle Detailformen wie Spitzbogentüren etc. deuten auf die Errichtung der Trennwand im 15. Jahrhundert hin.

Hauenstein: Wohnturm, Grundriss Erdgeschoß, genordet
Hauenstein: Wohnturm, Grundriss Erdgeschoß, genordet
Hauenstein: Mauerbogen an der Ostseite zur Auflage der Balkendecke
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, Mauerbogen an der Ostseite zur Auflage der Balkendecke
Hauenstein: Erdgeschoß, Spitzbogentür in der Trennwand
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, Spitzbogentür in der Trennwand
Hauenstein: Mauerbogen an der Ostseite zur Auflage der Balkendecke
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, Mauerbogen an der Ostseite zur Auflage der Balkendecke
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, querrechteckiges Fenster an der Ostseite
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, querrechteckiges Fenster an der Ostseite
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, querrechteckiges Fenster an der Ostsseite, Innenansicht
Hauenstein: Wohnturm Erdgeschoß, querrechteckiges Fenster an der Ostseite, Innenansicht

1.Obergeschoß

Der Hocheinstieg, dessen Gewände nicht mehr erhalten ist, liegt mittig in der Südwand, daneben noch ein einfacher Lichtschlitz. Eine Ost-West verlaufende Quermauer teilt die Fläche in 2 Hälften.

Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Skizze der Raumaufteilung, genordet
Hauenstein: Ostseite des Wohnturms mit dem querrechteckigen Fenster im EG und dem hochgelegenen Kapellenfenster im 1. OG
Hauenstein: Ostseite des Wohnturms mit dem querrechteckigen Fenster im EG und dem hochgelegenen Kapellenfenster im 1. OG

In der südlichen Hälfte hat sich an der Ostseite ein hochgelegenes Spitzbogenfenster in einem stark getrichterten Laibung erhalten. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um das Fenster einer nur 3,0 x 2,5 Meter großen Kapelle, die direkt neben dem Hocheinstieg lag und wahrscheinlich nur mit einer Holzwand vom Eingangsberecih abgetrennt war. Leider ist das vermutete Maßwerkfenster verschwunden.

Eine spitzbogige Türe in der Trennwand, deren Gewände herausgerissen wurde, führt in den nördlichen Bereich, der mit zwei an der Nord-Ost Ecke situierten Rechteckfenstern in Sitznischen belichtet war. Es ist sicher kein Zufall, dass die dem Burgweg zugewandte Nord-West-Ecke fensterlos blieb.
In der Trennwand ist eine zweiteilige Wandnische angebracht, die mit zwei flachen, auf einer Mittelkonsole ruhenden Spitzbögen geschlossen ist. Die gängige Erklärung als nachträglich vermauerte Bogenöffnung scheint nicht wirklich plausibel. Vielmehr dürfte es sich um eine Wandnische mit einem konstruktiv bedingten Entlastungsbogen handeln.
Ein Kamin an  der Südwestecke des Raumes läßt auf einen Kachelofen schließen.
In allen vier Außenecken des Turmes sind quadratische Pfeiler aufgemauert, die als Unterlage für die Holzbalkendecke über dem 1. OG dienen.
Zusätzlich sind in der Mitte der Nord- und Südseite noch sorgfältig behauene Konsolen für einen Unterzug angebracht.

 

Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Kapellenfenster
Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Kapellenfenster
Hauenstein: Ostseite des Wohnturms mit dem querrechteckigen Fenster im EG und dem hochgelegenen Kapellenfenster im 1. OG
Hauenstein: Ostseite des Wohnturms mit dem querrechteckigen Fenster im EG und dem hochgelegenen Kapellenfenster im 1. OG
Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Wandnische und Spitzbogentüre im nördlichen Raum.
Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Wandnische und Spitzbogentüre im nördlichen Raum. Im Hintergrund der Hocheinstieg.
Hauenstein: Wohnturm 1. Obergeschoß, Sitznischenfenster

2. Obergeschoß:

Die Zweiteilung durch eine Mittelmauer wiederholt sich im 2. Obergeschoß.  Die Befensterung ist in beiden Hälften identisch aber spiegelbildlich: jeweils ein Sitznischenfenster an der Ostseite, jeweils zwei sitznischenfenster an der Süd- bzw. Nordseite sowie ein schräg durch die Westwand führender Gang zu einem Abtritterker. Zwei Türen, von denen eine vermauert ist verbinden die beiden Räume.
Ein Kamin in der Trennwand deutet auf einen weiteren Kachelofen im 2. Obergeschoß hin.
Ein in der Turmmitte Nord-Süd, also quer zur Trennwand gespannter Bogen, diente wahrscheinlich zur Auflage der Decke.

Wie die Vertikalerschließung des Wohnturms funktionierte ist nicht klar. Am wahrscheinlichsten erscheint eine Treppe in der Süd-West.Ecke, die also direkt neben dem Hocheinstieg vom 1.OG ins 2. OG führte.

Hauenstein: Wohnturm, 2. Obergeschoß, Skizze der Raumaufteilung,  genordet
Hauenstein: Wohnturm, 2. Obergeschoß, Skizze der Raumaufteilung,
genordet

Hauenstein: Wohnturm 2. OG, Mauerbogen
Hauenstein: Wohnturm 2. OG, Mauerbogen

Hauenstein: Wohnturm 2.OG, Zugang zum Abtritterker
Hauenstein: Wohnturm 2.OG, Zugang zum Abtritterker

Hauenstein: Konsole für Streichbalken, Decke über 1. Obergeschoß
Hauenstein: Konsole für Streichbalken, Decke über 1. Obergeschoß

Zubau: 

Der Südwand des Wohnturms ist mit deutlicher Baufuge ein spätgotischer Trakt vorgestellt, der nur zweigeschoßig und etwas schmäler ist als der Turm.

Hauenstein: Westfassade des Wohnturms, rechts der spätgotische Zubau
Hauenstein: Westfassade des Wohnturms, rechts der spätgotische Zubau

Hauenstein: Südansicht des Wohnturms, davor der spätgotische Zubau
Hauenstein: Südansicht des Wohnturms, davor der spätgotische Zubau

Ringmauer:

Die polygonale Ringmauer umschließt einen etwa ovalen Bereich. Die dem Burgweg zugewandte Nordseite ist etwas angespitzt, und hat eine primäre Schießscharte, die auf den Burgweg gerichtet ist.

Hauenstein: nördliche Spitze der Ringmauer
Hauenstein: nördliche Spitze der Ringmauer

Josef Scheiger: Plan der Burg Hanstein (Hauenstein) aus dem Jahr 1868

Josef Scheiger:

Von Hauenstein existiert die älteste mir bekannte Bauaufnahme einer österreichischen Burg. Sie wurde im Jahr 1868 von Josef Scheiger in den "Mitteilungen des historischen Verein für Steiermark" veröffentlicht.
Scheiger war ein früher "Burgenfan", der seit dem frühen 19. Jahrhundert mit Zeichenblock und Tusche bewaffnet durch Österreich wanderte und Zeichnungen von Burgen und mittelalterlichen Städten anfertigte, die weit über die romantische Begeisterung am Alten hinausgingen und wegen ihren Detailtreue wertvolle Quellen für die Bauforschung geworden sind. (siehe Waxenegg)
Sein Artikel über Hauenstein ist bereits ein Alterswerk und der einzige mir bekannte von Scheiger angefertigte Grundriss. Trotz des nicht ganz einfachen, völlig unregelmäßigen Grundrisses hat er mit den technischen Mitteln des 19. Jahrhunderts die Struktur richtig erfasst und zu Papier gebracht.

 

Wegbeschreibung:

von Voitsberg Straße in Richtung Kainach und weiter nach Gallmannsegg bis zum Schranken.
Vom Parkplatz Fußweg leicht rechts, nach 5 Minuten Abzweigung scharf links, weitere 10 Minuten bis zur Ruine
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