Der  Bergfried  von  Schaunberg
OÖ / Bez. Eferding / Hartkirchen

 
Schnitt durch den Bergfried Grundriss und Baualterplan der Hauptburg    

Die Schaunberger waren eines der einflußreichsten oberösterreichischen Adelsgeschlechter, die es sogar wagten sich mit den Habsburgern anzulegen. Ihre Stammburg bei Eferding und insbesondere der Bergfried sind Ausdruck dieses Machtanspruches:

Der Turm zeigt deutlich zwei Bauphasen: Die untersten 5 Stockwerke stammen aus der Mitte des 13. Jahrhundert. Im 14.Jahrhundert wurde der Turm um weitere 3 Etagen aufgestockt und erreichte damit  eine Höhe von 32 Metern.
Damit ist er einer der mächtigste Bergfriede in Österreich

Größenvergleich einiger österreichischer Bergfriede

Der Bergfried steht frei, knapp hinter der Ringmauer der Burg . Er ist ein fünfeckiger Keilturm, der seine scharfe Kante gegen die vorgegebene Angriffsrichtung stellt.
Im Jahre 1825 stürzte die Nordseite des Turmes ein und begrub den daneben stehenden Palas unter sich. Heute ist die erhaltene  Hälfte des Turmes gut abgesichert und über eine Stahltreppenkonstruktion begehbar.

Erste Bauphase: Erste Hälfte 13.Jahrhundert.

Buckelquader am Bergfried Buckelquader am Bergfried glattes Mauerwerk an der Rückseite des Bergfrieds

Der Grundriss des Turmes ist fünfeckig  und entspricht etwa einem Quadrat mit einem angefügten gleichseitigen Dreieck. Die Mauerstärke im untersten Geschoß beträgt imposante 350 cm.  Alle Innenräume der ersten Bauphase sind quadratisch, wodurch sich  an der Keilseite eine Mauerstärke von bis zu  8 Metern ergibt.  Das Mauerwerk besteht an vier Seiten aus groben, fast megalitischen  Steinen, die in strengen Einzellagen verlegt sind. Die Höhe der Lagen stimmt mit den  Buckelquadern überein, aus denen die Ecken geformt sind. Nur an der dem Burghof zugewandten Rückseite des Turmes sind die Oberflächen der Steine glatt abgemeißelt.
Ab dem 1. Obergeschoß verjüngt sich der Turm an den Außenseiten leicht.

Kellergeschoß: Das Kellergeschoß hatte nur eine Fläche von 3,5 x 3,5 Meter und wahrscheinlich eine Höhe von etwa 5 Metern. Es war durch einen Lichtschlitz der knapp unterhalb der Decke lag belichtet. Der Lichtschlitz verlief nicht gerade durch die über 3 Meter starke Mauer, sondern in einer leichten Kurve, wahrscheinlich um keinen direkten Lichteinfall in den Keller zu erlauben. Über dem Keller lag eine hölzerne Balkendecke.

Hocheinstieg und Eingang zur Mauertreppe Mauertreppe im Bergfried Gewölbe im Einstiegsgeschoss

Einstiegsgeschoß / 1.Obergeschoß: Der Hocheinstieg lag an der Rückseite des Keilturmes, etwa 7 Meter über dem Fundament des Turmes und 10 Meter über dem Hofniveau. Da die Wandstärke 3,5 Meter beträgt, hat die Türnische schon das Ausmaß eines kleinen Ganges. Der Gang führte in einen durch zwei sich kreuzende Tonnen gewölbten Raum, der anscheinend keine Fenster hatte ( vielleicht an der verfallenen Seite ? ) , und von außen verschließbar war. Vom Gang aus führte eine Treppe in der Mauerstärke in das nächst höhere Geschoß. Die Treppe hatte einen Lichtschlitz nach außen, der in einer kleinen kreisrunden Öffnung endete.

2.Obergeschoß: Auch in diesem Geschoß finden sich keine Fensteröffnungen mehr. Es war durch die Mauertreppe erreichbar und hatte eine Balkendecke.

3.Obergeschoß: Hier haben sich zwei Lichtschlitze erhalten, die innen quadratischen Querschnitt haben und außen in kleinen kreisrunden Öffnungen münden, die aus jeweils einem einzigen Stein herausgemeißelt wurden. Einen dritten Lichtschlitz wird man an der verfallenen Seite vermuten dürfen.

4.Obergeschoß: Der alte Turm des 13.Jahrhundert endete im heutigen 4. Obergeschoß, wahrscheinlich in einer Wehrplatte mit Zinnenreihe, die an der Außenseite noch erkennbar ist.  Die Mauerstärke beträgt hier immer noch stolze 3,5 Meter. Leider ist gerade an dieser Stelle der Turm innen stark saniert, sodaß man den Abschluss nicht mehr genau nachvollziehen kann.

Baufuge zwischen romanischem Bergfried und gotischer Aufstockung mit vermauerten Zinnen

Zweite Bauphase : Ende 14. Jahrhundert.

Im ausgehenden 14.Jahrhundert wurden dem Turm drei weitere Geschoße aufgesetzt, ein Vorhaben bei dem jeden Statiker des 21.Jahrhundert wohl der Mut verlassen würde. Während alle Innenräume des Erstbaus innen rechteckig waren, sind die Innenräume der Aufstockung dem äußeren Grundriss folgend fünfeckig.

5.Obergeschoß: die Mauerstärke beträgt "nur" noch 2 Meter. Der heutige Fußboden ist aus Stahlbeton, also offensichtlich rezent. Der Raum hatte an jeder seiner 5 Seiten kleine, hochrechteckige Fenster, davon sind noch 3 erhalten. Die Decke über dem 5.OG war eine Riemlingdecke, die über die Schmalseite gespannt war und auf einem hölzernen Unterzug auflag.

6.Obergeschoß: hatte ähnliche Fenster wie das 5.OG, nur das Fenster an der Rückseite fehlt.

7.Obergeschoß: Zwischen der Decke des 6.OG und der Wehrplatte ist noch ein fensterloser Zwischenraum von 250 cm Höhe, über dessen Bedeutung ich nichts sagen kann. Die Wandstärke springt hier um 55 cm ein .

     

8.Obergeschoß / Wehrplatte: Den Abschluss des  Turmes bildet ein auskragender Zinnenkranz, der von Konsolen und dazwischen liegenden Dreipässen getragen wurde.  Auf alten Ansichten hatte der Turm ein steiles Zeltdach, das seine Gesamthöhe auf etwa 45 Meter Höhe erhöht hat.

 
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