Für den Bewohner des 21. Jahrhundert bedeutet technischer Fortschritt, daß mit der Zeit alles besser und perfekter wird. Bei der Entwicklung das mittelalterlichen Mauerwerks scheint das genaue Gegenteil der Fall zu sein: Die ältesten erhaltenen Beispiele zeigen besonders hochwertige, handwerklich ebenso perfekt wie aufwendig gearbeitete Strukturen. Jeder einzelne Stein wurde auf  6 Seiten glatt zu einen Quader - wenn es das Material nicht anders zuließ, dann zumindest quaderähnlich - zugerichtet. Dabei entstanden Quader unterschiedlichster Dimension, die nach Größen sortiert wurden. Die typischen Kennzeichen dieses frühen Mauerwerks sind :

  •  sorgfältig zugerichtete Steine in stark unterschiedlichen Formaten [ Streitwiesen ] 

  •  Verlegung in genauen Lagen , d.h. die Oberkante jeder einzelnen Steinlage ergibt eine exakte horizontale Unterlage für die nächste Schicht.
    Die Sinnhaftigkeit der sorgfältigen horizontalen Lagen wird seit Generation von 4-Jährigen Kindern unter Beweis gestellt, die scheinbar mühelos mit ihren ( quaderartigen ) Holzbauklötzen riesige Türme bauen können. Durch die horizontalen Lagen wird das Gewicht der Mauer - ohne jeden Seitenschub - senkrecht nach unten abgeleitet. Würde der 4-jährige mit runden oder ovalen Bauklötzen bauen, müßte er diese entweder mit Klebstoff ( ->Mörtel )  fixieren, um das seitliche Abrutschen über die runde Unterlage zu verhindern, oder die Struktur in eine Eckkonstruktion (--> Eckquader ) einspannen die den Seitenschub abfängt. Beides sind typische Kennzeichen nachromanischen Mauerwerks.

  • Lagensprünge beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Formaten [ Tursenstein ] 

  • Vierungen, sorgfältig behauene, kleine Zwickelsteine um die seltenen  Fehlstellen beim Zusammentreffen unterschiedlicher Quaderformate aufzufüllen[ ].

  • Rolllagen, Gruppen von hochkant gestellten Quadern , die ebenfalls Lagensprünge ausgleichen [ Rehberg ] oder einzelne "Nonnen" die  verhindern sollen, daß zwei Stoßfugen genau übereinander liegen [Beispiel ].

  • "opus spicatum" : Lagen aus schräggestellten, plattigen Steinen. Die Richtung wird von Lage zu Lage gewechselt, wodurch ein Fischgrätmuster entsteht. Es gibt die verschiedensteten Varianten, von kurzen Einschüben in nur einer Lage, über längere Bänder in zwei Lagen [Schiltern] , bis hin zum vollflächigen Opus spicatum   [Wiener Neustadt].  
    Manchmal ist zwischen den schrägen Lagen eine Lage mit plattigen Steinen eingefügt.[Freiberg]
    Opus spicatum ist wahrscheinlich bereits die erste Abkehr vom arbeitsaufwendigen Quadermauerwerk, weil durch die Schrägstellung auch mit fast unbearbeiteten Steinplatten ebenfalls genaue horizontale Lagen entstanden. Insbesondere beim vollflächigen Opus spicatum [Stadtmauer Wiener Neustadt] muss das ein enormer Kostenvorteil gewesen sein. Oft findet man Opus spicatum daher auch in der Giebelzone von Kirchenbauten.
     

  • Fugenstrich : Die Lager und Stoßfugen werden mit dem überschüssigen Setzmörtel glatt verschlossen und die Konturen der Steine mit der Kelle nachgezogen. Dadurch entsteht eine scharfkantige Vertiefung im aushärtenden Mörtel die durch ihren Schattenschlag  die Mauerfläche auflockert. Der typische Mörtel dieser Zeit ist glashart, weshalb die feinen von der Kelle aufgeworfenen Grate auch noch nach 800 Jahren Witterungseinfluß sichtbar sind.
    Teilweise wird nur die Lagerfuge, nicht aber die Stoßfuge ausgestrichen, wodurch eine Betonung der Horizontalen entsteht [St.Peter]  [Felberturm]  [Kaprun] . Sowohl der bewußte Einsatz des Schattenwurfs als auch die Betonung der Horizontalen sind typische Elemente romanischer Architektur.
    Beim "pietra rasa" - Verputz ( italienisch für "verstrichener Stein" ) der häufig bei Bruchstein ohne präzise Kanten angewendet wird, überdeckt der glattgestrichene Mörtel nicht nur die Fugen, sondern auch einen Großteil des Steines.
    Äußerst selten findet man aufgesetzte Fugenbänder [Seitz] [Zwettl]
    Die Dimension des Steines ist nur noch an Hand des  Fugenstrichs nachvollziehbar [Klöch] [St.Willibald] [Schiltern] [Thernberg] 

Das Mauerwerk wurde üblicherweise als Schalenmauerwerk aufgeführt, d.h. die o.a. Strukturen bilden  zwei parallele Schalen,  die mit groben und billigem Material aufgefüllt wurden . Problematisch war immer der Zusammenhalt zwischen Mauerschale und Mauerfüllung, weil oft auf die Verwendung von tief in die Mauerfüllung greifenden Bindern verzichtet wurde. Die  Errichtung konnte nur langsam erfolgen, weil das Gewicht der nur langsam austrocknenden Mauerfüllung die Mauerschalen nach außen zu drücken drohte. Üblicherweise mußte nach jeder Lage eine Pause eingelegt werden um die Mauerfüllung austrocknen zu lassen. Daraus folgert ein weiteres Kennzeichen dieses frühen Mauerwerks, nämlich dass die Lagen der Mauerschale mit denen des Mauerfüllung abgeglichen sind. [Rothenfels-NÖ] 

Der mangelnde Halt zwischen Mauerschale und Mauerfüllung trägt auch zum Verfall dieses Mauerwerks bei. Das häufigste Schadensbild zeigt das großflächige Ablösen der Mauerschale, die zwar in sich stabil bleibt, sich aber von der Mauerfüllung löst. [Rabenstein -KTN] [Puxer Loch ].
Besonders deutlich wird das System der bloßen Verkleidung des Mauerkerns durch die Mauerschale bei der Verwendung großer, relativ dünner Steinplatten, die ähnlich einer Fliese "angeklebt" werden und optisch einen Großquader vortäuschen. [Eckhardstein] [Rehberg]

Die Ecken waren üblicherweise kaum betont  und aus demselben Material gefertigt wie die Wandflächen selbst. [Gösting] [Dürnstein] [Gars] [Hardegg]. Als Eckquader wurden lediglich ausgesuchte, besonders lange Steine verwendet.
Vereinzelt werden hochgestellte Eckquader [Friesach-Petersberg] und großflächige Platten [Streitwiesen] verwendet, die Großquader vortäuschen. Beides sind Hinweise auf sehr frühes Mauerwerk ( Mitte 12. Jh.).  Die Quader sind auf allen, also auch auf den eingemauerten Seiten, sorgfältig geglättet.

Das 12. Jahrhundert und davor...

Reichenau (D) Münster
Quader mit Ziermustern
um 1000
 
Epfig (Elsass)
Kirche St. Margarithe, Quader mit Ziermustern,
um 1000
Abteikirche Limburg a.d. Hardt (D)
Quader mit Ziermustern,
um 1030
   
Abteikirche Limburg a.d.Hardt(D)
Limburg und Speyer sind im wahrsten Sinne zeitgleich : Angebl. erfolgte die Grundsteinlegung am selben Tag, dem 12.07.1030
Speyer (D) Kaiserdom
freiliegendes Mauerwerk der ersten Bauphase,
südlicher Chorwinkelturm, um 1030
mwk_stpeter.jpg (38153 Byte) Erzstift St.Peter SBG 
Nordseite der Stiftskirche angeblich 2.H. 11.Jhd
Gösting - STMK
Mauerwerk am alten Palas,
12. Jh.
mwk_millstatt_01.jpg (107624 Byte) Millstatt-Ktn
Langhaus der Stiftskirche, Nordseite,
um 1090??
mwk_millstatt_2.jpg (91615 Byte) Millstatt-Ktn
Quaderhaftes Mauerwerk mit Opus spicatum, Pietra rasa und Fugenstrich auch über das Opus spicatum
Schloss Tirol
in Lagen verlegte fast unbearbeitete Steine, Ringmauer um 1080
Schloss Tirol
in Lagen verlegte, bearbeitete Steine (Kleinquader), Bergfried um 1140
Rabenstein - St.Paul / Ktn
frühes 12. Jahrhundert
Rabenstein - St.Paul / Ktn
(Innenseite der Ringmauer )
frühes 12. Jahrhundert
Rabenstein - St.Paul / Ktn
frühes 12. Jahrhundert
   
mwk_krumau.jpg (33835 Byte) Krumau am Kamp - NÖ
Niederösterreich
mwk_gurk_01.jpg (27792 Byte) Gurk - KTN
Langhaus des Doms
Mitte 12.Jh.
mwk_tursenst.jpg (56511 Byte) Tursenstein - NÖ
Ringmauer
Mwk_pux_01.jpg (61084 Byte) Puxer Loch - STMK
Ringmauer
hohensbg_02.jpg (46506 Byte) Hohensalzburg - SBG mwk_hlkreuz.jpg (48173 Byte) Heiligenkreuz - NÖ
Stiftskirche
Mitte 12.Jh.
Alt-Weitra - NÖ
Quadermauerwerk mit zonalem Wechsel, am Langhaus der Kirche Alt-Weitra im Waldviertel.  12. Jh
Puxer Loch STMK
Ringmauer der steirischen Höhlenburg
Mitte 12. Jh.
mwk_klmariazell_01.jpg (72236 Byte) Klein-Mariazell - NÖ
Basilika der Benediktineriabtei,
Südseite, Mitte 12. Jh.
mwk_zwettl_dorm_01.jpg (85769 Byte) Zwettl - NÖ
Dormitorium
1.Hälfte 12.Jh ( zwischen 1138 und 1159)
Zwettl - NÖ
Ostseite des Kapitelsaals
1.Hälfte 12.Jh
Zwettl - NÖ
Aussenseite des Dormitoriums,
Latrine
1.Hälfte 12.Jh ( zwischen 1138 und 1159)
Salzburg, romanischer Dom
Sockelbereich eines Westturmes, um 1127
Salzburg, romanischer Dom
Sockelbereich eines Westturmes, um 1127
petersberg_gebhard_mwk_1.jpg (62422 Byte) Petersberg- KTN
Mauerwerk an der Ostseite des Gebhard-turms.
petersberg_gebhard_mwk_2.jpg (85894 Byte) Petersberg- KTN
Mauerwerk an der Nordseite des Gebhard-turms.
dross_mwk_1.jpg (98086 Byte) Dross - NÖ
ehem. Burgkapelle
dross_mwk_2.jpg (88500 Byte) Dross - NÖ
ehem. Burgkapelle
mwk_puergg_2.jpg (50092 Byte) Johanneskapelle-Pürgg /STMK
Mauerwerk an der Westwand der romanischen Kapelle , mit Occulus.
Spätestens Mitte 12.Jh.
mwk_sonnenbg.jpg (46930 Byte) Sonnenburg - KTN
mwk_streitw.jpg (42390 Byte) Streitwiesen - NÖ:
erste Hälfte 12.Jhd
mwk_rehberg.jpg (38625 Byte) Rehberg - NÖ
Mitte 12.Jhd
Eibenstein - NÖ
Mauerwerk der Kapelle
Eibenstein - NÖ
Mauerwerk im Fundamentbereich des Bergfrieds.
St.Willibald am Krappfeld - Ktn St.Willibald am Krappfeld - Ktn
mwk_rundersbg.jpg (54211 Byte) Rundersburg - NÖ:
Niederösterreich
   
Hocheppan STI
Hofseite des Bergfrieds
um 1200
mwk_klmariazell_02.jpg (69264 Byte) Klein-Mariazell _ NÖ
wohl für Verputz vorgesehenes Mauerwerk im Kreuzgang der Benediktinerabtei
mwk_hardegg_ktn.jpg (63822 Byte) Hardegg- KTN
hochmittelalterliches Mauerstück am Fuße des Burghügels der gotischen Burg.
mwk_freiberg_01.jpg (45759 Byte) Freiberg - KTN
Ringmauer,
opus spicatum
Schiltern - NÖ
Opus spicatum
Dürnstein - STMK
Opus spicatum an der Ringmauer der Erstburg
mwk_duernst_noe.jpg (49431 Byte) Dürnstein -
Mauerwerk der Kapelle
mwk_klaml.jpg (24969 Byte) Klamleithen - OÖ
Quadermauerwerk an einem Rundturm, jeder einzelne Quader ist der Rundung angepasst.
Schenna- Südtirol
Friedhofskirche St.Martin
Rappottenstein - NÖ
Gossam - NÖ
Apsis der Burgkapelle,
teilweise ergänzt,
Mitte 12. Jh
mwk_steinegg.jpg (37434 Byte) Steinegg - NÖ
Ringmauer
Ende 12.Jhd
mwk_rauterbg.jpg (48985 Byte) Rauterburg - KTN 
Kärnten
mwk_felber.jpg (58596 Byte) Felbenturm - SBG
Salzburg
mwk_zori_02.jpg (55403 Byte) Schiltern - NÖ
Niederösterreich
mwk_hardegg.jpg (57305 Byte) Hardegg - NÖ
Bergfried
Niederösterreich
mwk_hennebg.jpg (42202 Byte) Henneberg - STMK mwk_kuehnbg.jpg (60630 Byte) Kühnburg - KTN
Mauerwerk des Bergfrieds
mwk_ehrenfels.jpg (59430 Byte) Ehrenfels b.Graz - STMK mwk_schauenstein_01.jpg (58125 Byte) Schaunenstein am Kamp - NÖ
mwk_eibenst.jpg (42882 Byte) Eibenstein - NÖ
Mauerwerk der Kapelle
mwk_maiersdorf.jpg (45446 Byte) Maiersdorf - NÖ
Gars - NÖ
8-eck Turm
Kropfsberg -TIROL
Tirol
Starhemberg-NÖ
Mauerwerk der zum Bergfried umgebauten Rundkapelle.
Ende 12. Jh.
mwk_pettau_wolf_01.jpg (100538 Byte) Pettau - Slowenien
Großquader mit Öffnung für Hebewerkzeug ( Wolf )
Imbach - NÖ Imbach - NÖ
Eckhardstein - NÖ Eckhardstein - NÖ
    mwk_aggstein_01.jpg (36967 Byte) Aggstein - NÖ 
Niederösterreich
Mauerrest der Altburg

 

um 1200 und frühes 13.Jahrhundert

Das frühe 13. Jahrhundert bringt erste Veränderungen, die sich in dieser Tendenz in den folgenden Jahrhunderten fortsetzen sollten: Die Zielsetzung war es, eine Methode zu finden mit geringerem zeitlichen und finanziellen Aufwand eine möglichst stabile Mauerstruktur zu schaffen: 
Beim Quadermauerwerk bedeutete dies die "Serienfertigung" von Quadern gleicher oder zumindest ähnlicher Dimension. Alle Steine einer Lage haben das selbe Maß, dadurch verschwinden die Lagensprünge, Vierungen , Nonnen und Rolllagen im Mauerwerk. Teilweise gibt es noch "zonale Wechsel " d.h. auf mehrere durchlaufende Lagen einer Dimension folgen mehrere durchlaufende Lagen eines anderen Formates. Ein schönes Beispiel für diese Entwicklung kann am Gurker Dom beobachtet werden, wo zu Baubeginn mit der Technik des 12.Jahrhunderts gebaut wurde [Gurk 12.Jh] , und nach einer Bauunterbrechung in der neueren, effizienteren Methode weitergebaut wurde.[Gurk um 1200].

Andererseits setzt sich Bruchsteinmauerwerk durch, bei dem die einzelnen Steine wesentlich weniger bearbeitet werden als beim Quadermauerwerk. Sie werden nur grob abgespitzt  damit die nach außen zeigende Seite einigermaßen glatt ist. Die Lager- und Stoßfugen werden dadurch wesentlich größer, die unregelmäßige Rückseite sorgt für eine stabilere Verbindung mit der Mauerfüllung [Starhemberg]. Das erfordert mehr Mörtel und zunächst vereinzelt die Verwendung von Zwickelsteinen, um die Löcher zwischen den einzelnen Steinen auszufüllen. Die strenge Lagigkeit bleibt aber erhalten, zunächst noch in Einzellagen [Wolkenstein] später durch schmale Abgleichlagen, die wieder eine ebene Basis für die nächste Lage bilden. [Kaisersberg-Ringmauer ]

mwk_ligist.jpg (56894 Byte) Ligist - STMK
Wohnturm
mwk_starhbg.jpg (42526 Byte) Starhemberg - NÖ : um 1200
Bergfried, (Innenseite), rechts der Hocheinstieg
mwk_perchtdf.jpg (44451 Byte) Perchtoldsdorf - NÖ
Niederösterreich
mwk_lockenh.jpg (69817 Byte) Lockenhaus - BGL
links echtes und 
rechts nachgemachtes 
Opus spicatum
mwk_prandegg.jpg (32529 Byte) Prandegg - OÖ
Mauerrest der romanischen Altburg
mwk_plainbg.jpg (60412 Byte) Plainburg , SBG
sieht wesentlich älter aus, dürfte aber erst in die Mitte des 13. Jh. zu datieren sein .
mwk_scharfeneck.jpg (29841 Byte) Scharfeneck -
bei Baden
Ringmauer
mwk_flaschbg.jpg (55306 Byte) Flaschberg - KTN
Bergfried
mwk_wrneustd.jpg (47044 Byte) Wiener Neustadt - Stadtmauer
flächiges opus spicatum:
um 1200
mwk_kaprun.jpg (60004 Byte) Kaprun - SBG
mwk_riegersbg_01.jpg (67839 Byte) Riegersburg - STMK
Quader mit aus verschiedenen Richtungen diagonal geführten Meiselspuren.
mwk_riegersbg_03.jpg (47095 Byte) Riegersburg - STMK
mwk_pfannbg_1.jpg (106248 Byte) Pfannberg-STMK
Ringmauer
Landeck Tirol
Mauerwerk am Bergfried

 

Das  13. Jahrhundert

Die Tendenz zur Auflösung der Einzellage, hin zum flächigen Mauerwerk setzt sich gegen Ende des 13. Jahrhundert  weiter fort. 
Beim Aufrichten der Mauer wird nur noch alle 40-60 cm eine ebene Abgleichslage geschaffen.  Innerhalb dieser "Arbeitshöhe" findet sich Bruchstein unterschiedlichster Dimension und Form [Hungerturm Waldstein ] [Althofen] 

Bei der Ausbildung der Ecken setzen sich Eckquader durch, die im Gegensatz zum Material der Wandfläche besonders sorgfältig behauen sind [Ruttenstein]. Oft wurde dafür Material verwendet, das sich leichter bearbeiten ließ und sich daher auch farblich von der Mauerfläche absetzt.[Weidenburg ] [Hungerturm]. Dieses Material konnte aber in den seltensten Fällen am Bauplatz gewonnen, mußte  oft über große Entfernungen herangeschafft werden und stellte einen erheblichen Kostenfaktor dar. Daher findet man neben den gequaderten Kanten immer wieder die wesentlich billigere ungequaderte Kante aus dem Material der Wandfläche [BEISPIEL].
Die Eckquader sind an allen sichtbaren Kanten rechtwinkelig gearbeitet.
Eine Sonderform des Eckquaders sind Buckelquaderkanten, die in er ersten Hälfte des 13. Jh. beliebt sind. Die Buckelquader können vereinzelt in einer Quaderkette auftreten [ Forchtenberg], als durchgängige Buckelquaderkante [Hieburg], oder auch als vollflächige Buckelquaderwand mit Buckelquaderkante [Pottendorf] 

mwk_wolkenst.jpg (54702 Byte) Wolkenstein - STMK
Ringmauer
Anfang 13. Jhd.
Wildon - Stmk
Ringmauer, um 1200
    mwk_lichtenst_01.jpg (53319 Byte) Lichtenfels - NÖ
Ringmauer
1.H.13.Jhd
Thalberg - STMK , Bergfried: 
Sandsteinquader mit Steinmetzzeichen und Tierabbildung
Anfang  13.Jh 
Thalberg - STMK Ringmauer
zeitgleich mit dem Bergfried, an schlecht einsehbaren Stellen wurde das billigere Bruchsteinmauerwerk verwendet.
mwk_hainburg_02.jpg (47269 Byte) Hainburg - NÖ
Stadtmauer
1.H.13.Jhd
mwk_hieburg.jpg (55358 Byte) Hieburg - SBG 
Salzburg
mwk_fabenst.jpg (41465 Byte) Farbenstein - KTN Maierdorf - NÖ
"Pietra rasa" Putz mit Kelenstrich
mwk_hohenwang_2.jpg (90397 Byte) Hohenwang -STMK
"pietra rasa" in einem an die Ringmauer angestellten Wohngebäude
mwk_kloech_01.jpg (68013 Byte) Klöch - STMK
"pietra rasa"-Verputz mit Kellenstrich
mwk_klingenst.jpg (55416 Byte) Klingenstein - OÖ mwk_rauheneck.jpg (65683 Byte) Rauheneck - NÖ
Sockelzone des Bergfrieds mit Wasserschlag
mwk_kienburg.jpg (50837 Byte) Kienburg - TIROL
Osttirol
mwk_rothenfels.jpg (58165 Byte) Rottenburg / Alt-Waxenberg
mwk_waxenbg.jpg (47665 Byte) Waxenberg - OÖ
Oberösterreich
mwk_hohenwang.jpg (45357 Byte) Hohenwang - STMK
Anfang 13. Jh.
mwk_rothenf_01.jpg (45752 Byte) Rothenfels bei Hainburg NÖ
Die planlose Anordnung von Ausstemmungen deutet auf Spolien hin
mwk_winklern.jpg (49582 Byte) Winklern - KTN
Mautturm
Mitte 13.Jh.
mwk_schwarzenoeda.jpg (71117 Byte) Schwarzenöda -NÖ mwk_kraigkasten.jpg (78891 Byte) Niederkraig - KTN
"Kasten" : kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk mit Ausgleichslagen alle 40 cm, Ende 13.Jh
Wartenfels SBG
nach 1259, auf einer historischen Ansichtskarte besser zu sehen als heute.
Strechau STMK
scharfe Kante des Keilturms
Ende 13. Jh.
mwk_althofen.jpg (53318 Byte) Althofen - KTN (Bergfried):
mwk_weidenbg.jpg (58965 Byte) Weidenburg - KTN
mwk_rutten_wt.jpg (65955 Byte) Ruttenstein - OÖ 
Wohnturm 
Ende 13. Jhd. 
mwk_rutten_bf.jpg (76236 Byte) Ruttenstein - OÖ ( Bergfried )
Ende 13.Jhd.
mwk_rauhenstein_bf_01.jpg (73511 Byte) Rauhenstein_NÖ
Mauerwerk am Bergfried
um 1300
Alt-Sturmberg STMK
Bergfried
2.H.13.Jh
mwk_baierdf.jpg (44813 Byte) Baiersdorf - STMK
Ende 13.Jhd
mwk_gallenst.jpg (60985 Byte) Gallenstein - STMK
ca.1280
mwk_mannsbg.jpg (64980 Byte) Mannsberg - KTN
um 1300
mwk_wolfstein.jpg (66635 Byte) Wolfstein - NÖ
Mauerwerk am alten Palas
Ende 13. Jh
Waldstein - Stmk
Mauerwerk am dreieckigen Bergfried, ursprünglich verputzt, um 1300
Rosegg - Ktn
Mauewerk am Bergfried,
um 1300
Türje- Ungarn
Die Prämonstratenser-kirche ist ein reiner Ziegelbau.
Baubeginn ca. 1230
   

Buckelquader

Einen "Rückfall" in die Zeiten des Quadermauerwerks stellt der Buckelquader dar. Dabei wird ein Stein an fünf Seiten genau geglättet, an der Sichtseite aber eine buckelförmige Ausbuchtung  belassen und  nur ein dünner glatter Rand abgearbeitet. Dieser "Randschlag" ist produktionsbedingt und dient zum "Versehen", dem Einrichten der Quaderkanten. 
Man unterscheidet  flache Buckel, bei denen die Quaderflächen sich nur durch die Struktur vom Randschlag unterscheiden[ ], bruchrauhe Buckel,  kissenförmige Buckel [Reiffenegg], Megalith-Buckelquader [Schaunberg], runde Buckel, Spiegelquader [Enns]. Die Breite des Randschlags variiert zwischen nur 1-2 cm (frühe Formen )  bis zu 7-10 cm ( späte Formen )

Sie treten als Eckquader [Forchtenberg], vereinzelt im Mauerwerk [Friesach], oder vollflächig [Pottendorf] [Hainburg-Ungartor] [Ried] auf. Manche Spätformen wirken wie ein bloßes Zitat auf den Buckelquader [Friesach-Fürstenhof].
mwk_hainburg_01.jpg (47091 Byte) Hainburg - NÖ , Ungartor
Flächige Buckelquader
um 1260
mwk_enns.jpg (43124 Byte) Enns - OÖ
Spiegelquader am
sog.Frauenturm:
Zvikov - Böhmen
Buckelquader mit Steinmetzzeichen am Bergfried, um 1230
Augusta - Sizilien
die Spiegelquader aus dem Kastell Friedrich II unterliegen auch heute noch der militärischen Geheimhaltung.
um 1235.
mwk_pottend.jpg (51558 Byte) Pottendorf - NÖ
Buckelquader
1.H. 13.Jh
Pottendorf - NÖ
Buckelquader an einem der drei Türme der Kastellburg
1.H. 13.Jh
Wiener Neustadt-NÖ
Buckelquader an einem Eckturm der Burg
Wiener Neustadt-NÖ
Buckelquader an einem Turm der Stadtmauer
Kaprun-SBG
Buckelquader an der Ecke des Bergfrieds
Landeck - Tirol
Buckelquader am Bergfried
mwk_schaunbg_02.jpg (51963 Byte) Schaunberg - OÖ  ; Bergfried
Megalithmauerwerk
2.H. 13. Jh
Forchtenberg - STMK
Buckelqauderkante am Bergfried
um 1225
St.Petersberg - Tirol
An einer Ecke des Palas
St.Petersberg - Tirol
 
Reiffenegg Südtirol
"polsterförmige" Buckelquader an der Turmecke
Ried Südtirol
vollflächige Buckelquader am Bergfried
Alt-Rasen Südtirol Rems - NÖ
Buckelquaderfundament an der Filialkirche Hl. Maria Magdalena
Hörtenberg- Tirol Hieburg SBG
Buckelquader neben dem Burgtor
Forchtenstein BGL
Buckelquader an der Kante des mit einem Keil versehenen Rundturmes
wahrscheinlich erst 14. Jh

 
Sciacca- Sizilien : um 1530
in der  Rennaissance wurde der Buckelquader wieder modern. zeittypisch wurden Winkel und Krümmung nicht dem Zufall überlassen.

 

Das 14.Jahrhundert

Im 14 .Jahrhundert setzt sich diese Tendenz weiter fort, die Arbeitshöhen ( d.h. die Abstände zwischen den Abgleichlagen ) werden immer höher und dadurch seltener, und erreichen typischerweise Höhen von etwa 1 Meter.
Gegen Ende des 14.Jh. findet man vermehrt die Verwendung von Ziegel und Ziegelstücken als Auszwickelung und als Füllmaterial beim Versetzen von Tür- und Fenstergewänden aus Haustein [Schaunberg]. Die teilweise unschöne Mischung unterschiedlichster Materialen und Größen deutet darauf hin, daß dieses Mauerwerk von Anfang an für Verputz konzipiert war.
Die Strukturierung der Mauerfläche durch die Schattenwirkung des Fugenstrichs wird durch aufgemalte Strukturen ersetzt. Typisch sind aufgemalte Eckquaderketten, Fensterfaschen [Niederkraig]  oder vollflächige aufgemalte Quaderfugenmalerei die oft keinen Bezug zum eigentlichen Mauerwerk haben [Schaunberg].

Typisch sind besonders tief in das Mauerwerk greifende Eckquader, die an der Mauerinnenseite , bzw. der Schmalseite schlampig gearbeitet wirken.
Die oft andersfarbigen Eckquader werden bewußt als Gestaltungselement eingesetzt, manchmal nur dort wo sie aus der Ferne zu sehen sind
[Stauf] , während sie an schlecht einsehbaren Stellen weggelassen werden. Die Eckquader werden sichtbar belassen, auch wenn die Mauerfläche verputzt wurde  [Neuhaus].  
Zangenlöcher an Eckquadern
[Deutschlandsberg ] oder auch an einzelnen größeren Steinen der Wandfläche sind ein Hinweis auf die Verwendung  eines zangenartigen Hebewerkzeugs, das ist Österreich erst ab ca. 1300 in Gebrauch kam .

mwk_kloech_02.jpg (65451 Byte) Klöch - STMK ; Bergfried mwk_kirchschlag.jpg (60373 Byte) Kirchschlag am Wechsel - NÖ 
Bruchsteinmauerwerk mit 
Abgleichslagen in Abständen von
etwa 100 cm ; um 1320
mwk_schaunbg_01.jpg (57774 Byte) Schaunberg - OÖ
Ringmauer
mwk_d_landsbg_1.jpg (56142 Byte) Deutschlandsberg - STMK
Wohnturm- das Mauerwerk sieht wesentlich älter aus , stammt aber aus dem 14.Jh. / Eckquader m. Zangenlöchern
mwk_liebenf_01.jpg (45178 Byte) Liebenfels - KTN / BF mwk_kraig.jpg (55189 Byte) Altkraig - KTN
kleinteilges, plattiges Mauerwerk
mwk_kronest.jpg (34710 Byte) Kronest - OÖ
um 1340
schaunbg_farb_01.jpg (56205 Byte) Schaunberg - OÖ
aufgeputze Quaderlinien, die keinen Bezug mehr zu den echten Quadern haben. Ende 14.Jh.
mwk_leonr_01.jpg (40658 Byte) Neuleonroth - STMK 
Das plattige Mauerwerk ist im Winkel von 45Grad verlegt, um eine Felsspalte auszufüllen
mwk_merkenst_01.jpg (51434 Byte) Merkenstein - NÖ
unter_pernegg_mwk_15.jpg (82137 Byte) Pernegg Stmk
sekundäre Schildmauer an der "unteren Veste".
um1400
Kasperk - Böhmen
um 1365
Helfenburk - Südböhmen
um 1370
Landskron - KTN
1.Hälfte 14.Jh
       

 

Das 15. Jahrhundert und danach

Im 15. Jahrhundert schließlich löst sich die Lagigkeit des Mauerwerks völlig auf. Bei dem für die Zeit typischen Netzmauerwerk, werden einzelne, teilweise sehr große Steine, die nur an der Maueraußenseite glatt sonst aber fast unbearbeitet sind, durch ein Netz von Zwickelsteinen fixiert [Pürnstein] .
Die Verwendung von Eckquadern reduziert sich, auch weil eingestellte Rundtürme an den Ecken der Ringmauern üblich sind.

mwk_puernst.jpg (53325 Byte) Pürnstein - OÖ
spätgotisches Netzmauerwerk
Ende 15.Jh
mwk_taggenbr.jpg (69399 Byte) Taggenbrunn - KTN;
Zwickelmauerwerk
um 1495 
mwk_falkenst_01.jpg (52873 Byte) Falkenstein - OÖ
Rundturm bez. 1489
mwk_scheiblingturm.jpg (38882 Byte) Freistadt - OÖ
Scheiblingturm
Zwickelmauerwerk mit Zangenlöchern, 1444
mwk_prandegg_rt.jpg (46114 Byte) Prandegg - OÖ  
Rundturm
mwk_wimberg.jpg (42952 Byte) Wimberg - NÖ
Batterieturm Mitte 15.Jh.
mwk_fragenst.jpg (67445 Byte) Fragenstein - TIROL
sog."Weinecker Turm"
Eckquader mit Zangenlöchern A.15.Jh
mwk_lobenst.jpg (74637 Byte) Lobenstein - OÖ
Ringmauer
mwk_feistritz.jpg (48766 Byte) Feistritz a.d. Ilz - STMK
Mischmauerwerk aus Bruchstein und Ziegel
Mitte 15.Jh.
mwk_rapotten_02.jpg (69307 Byte) Rapottenstein - NÖ
bez. "1549"
Kaisersberg - STMK
talseitige Bastion, um 1600
Sternschanze - STMK
um 1560
mwk_saebn.jpg (50139 Byte) Säbnich II - OÖ
Oberösterreich
mwk_riegersbg_02.jpg (41758 Byte) Riegersburg - STMK
Mauerwerk an einer Bastion ; um 1650 
hirschbach_mwk_07.jpg (108638 Byte) Hirschbach-OÖ
klammerförmige in einander verschränkte Quader am spätgotischen Chor der Kirche Hirschbach
Quellen:
weitere Information zum Thema Mauerwerksdatierung findet man bei...
  • Karin und Thomas  Kühtreiber : Wehrbauten und Adelssitze Niederösterreichs ( Seite 1ff)
  • Reichhalter / Kühtreiber : Burgen Waldviertel Wachau ( Seite 20ff)
  • Werner Meyer : Neuerungen im Burgenbau des 13. Jahrhunderts 
    ( in : Forschungen zu Burgen und Schlössern Band 7, Seite 9ff )
  • G.Seebach : zeitspezifische Strukturen des mittelalterlichen Mauerwerks
    in : Denkmalpflege in Österreich : Band 12 Burgen und Ruinen

 

auch in anderen Ländern gibt es schönes Mauerwerk  ---- Beispiele aus aller Welt

 

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