Der Hungerturm bei Waldstein :
Stmk / Bez. Graz-Umgebung / Deutschfeistritz

 

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Südlich der Ruine Waldstein erstreckt sich eine weite Hochebene , die an ihrem äußersten Ende in eine felsige Erhebung übergeht. Dort liegt eine zweite , wesentlich kleinere Burg , vielleicht eine Vorburg , die der Hungerturm genannt wird.

hungerturm_03.jpg (28788 Byte)Hungerturm Mauerwerk des WohnturmsIn den weniger Quellen wird die Burg in das 12. teilweise sogar 11. Jahrhundert datiert. Diese Erwähnungen dürften sich aber auf einen hölzernen Vorgängerbau beziehen, der Ausbau in Stein erfolgte wohl erst im später 13. oder frühen 14. Jahrhundert. Der Turm wurde in Bruchsteinmauerwerk errichtet, bei dem keinerlei Einzellagen mehr erkennbar sind. Alle 50-60 cm wurde eine ebene Abgleichslage eingefügt. Die Ecken sind mit farblich abgesetzten, sorgfältig behauenen Eckquadern verstärkt. All dies läßt auf eine Errichtung um bzw. kurz nach 1300 schließen.

 

 

Schnitt durch den WohnturmDie Burg besteht aus einem annähernd quadratischen Wohnturm von etwa 10 M Seitenlänge , der frei in einer polygonalen Ringmauer steht .
Seine Nordseite ist 9.6 Meter , die drei anderen Seiten ca. 10.2 Meter lang. Die Mauerstärke beträgt im Kellergeschoß 230 cm, und springt nach jedem Geschoß um ca. 30 cm zurück. Er ist ca. 15 Meter hoch erhalten und hat vier Stockwerke . Das Kellergeschoß weist , außer dem später ausgebrochenen Eingang , nur eine Lichtscharte an der Nordseite auf. Der ursprüngliche Hocheinstieg liegt auf der Ostseite in ca. 5 Meter Höhe. Der Eingang ist mit einem schönen , leicht abgefasten gotischen Hausteingewände versehen, und die Konsolen und der Falz für eine Klapp-brücke ist deutlich zu erkennen. Diese wurde auf einen vor dem Tor stehenden Brückenpfeiler herabgelassen. Von dort führte wahrscheinlich ein Steg in rechtem Winkel zur nördlichen Ringmauer.

Das Einstiegsgeschoß war mit einem Kreuzgratgewölbe oder Kreuzrippen versehnen, und eine Treppe in der Mauerstärke führte zu den oberen Stockwerken. Die Treppe lag an der wahrscheinlichen Feindseite, also im Norden.

hungerturm_02.jpg (44248 Byte)Die Wohnräume waren durch einen Lichtschlitz an jeder Seite erhellt, nur über dem Eingang liegt ein großes Rechteckfenster, das jetzt vermauert ist.

Die Ringmauer hat die Form eines leicht verzogenen Ovals, das aus geraden Mauerstücke gebildet wird. An ihrer NO-Seite liegt der  Eingang, der durch eine hochklappbare Brücke geschütz war. Die Brücke war eine Wippbrücke: Dabei  dreht sich die Brückenplatte um eine am Schwerpunkt ( Mittelpunkt )  angebrachte Achse.  Die Ringmauer muß daher unterhalb der Brücke ausgenommen sein um die Drehbewegung der Brückenplatte zu ermöglichen. Das aus Stein geformte Drehgelenk ist noch erhalten.
Die nördliche Ringmauer wird  außen von vier starken Stützpfeifer verstärkt.

In der ca. 100 bis 110 cm starken Ringmauer befinden sich mehrere Scharten mit Prellhölzern für Feuerwaffen , nördlich des Turmes auch eine Schlitzscharte mit schönen Hausteingewände.
Darüber lag wahrscheinlich ein hölzernen Wehrgang zu dem vom Haupttor aus eine Treppe hinaufführte .
Ein kurzes Mauerstück mit einem Tor zwischen der NO-Ecke des Turmes und der Ringmauern trennten den Hof in zwei Teile. Diese Mauer ist jetzt völlig verschwunden, nur Bruchstückes eines Seitengewändes sind erhalten .

An der Südseite war der Turm durch einem massiven Mauerpfeiler gestützt. Dafür wurden zuerst zwei 30 cm starke Holzstämme gegen den Turm verkeilt, und diese dann mit Steinen ummauert. Heute sind nur noch der gemauerte Pfeiler und die Kanäle der längst vermorschten Holzstämme erhalten.

Das umliegende Gelände ist nicht besonders steil. Nur an der Nordwest-Ecke liegt ein steiler Felsen aus dem ein Halsgraben herausgeschnitten wurde .

ca. 40 Meter Nord-östlich des Hungerturmes lassen sich Abschnittsgräben und Hügeloval einer verschwundenen Holzburg feststellen. Wahrscheinlich die ursprüngliche Burg, die durch den gemauerten Hungerturm ersetzt wurde.
 

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