Der Mantelkamin ist die typische Kaminform des Hochmittelalters. In einer Raumecke wird ein gemauerter Schacht im Grundriss eines Viertelkreises errichtet, der den Rauch einer offenen Feuerstelle  nach oben ableitete. Die Unterkante des Mantelkamins liegt typischerweise 1 bis 2 Meter über dem Fußbodenniveau, was noch genügend Platz für eine gemauerte Feuerstelle und die Flammenhöhe läßt. Üblicherweise führt der Mantel durch die Geschoßdecke und das darüber liegende Stockwerk, und danach entweder in einen durch die Mauerstärke gehenden Rauchablass oder (seltener ) über Dach.  
Die für den Mantelkamin typische offene Feuerstelle  hatte zwei wesentliche Nachteile: Erstens war sie nicht sehr effizient, weil ein Großteil der Wärme durch den Rauchabzug verloren ging und die durch das Feuer erzeugte Wärme nicht gespeichert werden konnte. Zweitens gelangte trotz des weit ausladenden Mantels immer ein Teil des Rauchs in den Wohnraum. 
thernbg_kam.jpg (40586 Byte) Thernberg - NÖ
Mantelkamin in einer Innenecke des Bergfrieds.
Der Kamin führt im Inneren des Gebäudes, durch mehrere Geschossdecken hindurch nach oben.
thernbg_kam_2.jpg (19405 Byte) Thernberg - NÖ
Mantelkamin in einer Ecke 
des Palas
Mantelkamin auf Wolfstein Wolfstein - NÖ
Mantelkamin in einer Ecke des sekundär in die Ringmauer eingestellten Bergfrieds. Deutlich erkennbar ragt der Kaminmantel noch in das darüberliegende Geschoss.
freistadt_kamin_1.jpg (30607 Byte) Friestadt- OÖ
ungewöhnlich ist die offene Feuerstelle in der Türmerstube des späten Bergfrieds. ( um 1400 ) 
faulturm_kam_01.jpg (42789 Byte) Faulturm Oberfellach - KTN
Mantelkamin im Wohnturm.
13.Jh. Hier ist das Fußbodenniveau noch gut sichtbar.
penk_kam_01.jpg (105542 Byte) Mölltheuer-Penk - KTN
Mantelkamin im Wohnturm.
um 1200.
Rothenfels am Main - D
Mantelkamin mit Bergfried,
Türe rechts ist sekundär.
   
aggstein_kamin_2.jpg (59429 Byte) Aggstein - NÖ
Konsolen eines Mantelkamins am Stein.
um 1200
schalla_kam_01.jpg (49716 Byte) Schallaburg - NÖ
Rauchablass in einer Ecke des Festen Hauses
ruttenstein_kamin_1.jpg (31827 Byte) Ruttenstein - OÖ
Rauchablass in der Blockwerkkammer des Wohnturms.
Ende 13. Jh.
voitsbg_kam_01.jpg (52133 Byte) Voitsberg - STMK
Rauchablass in einer Ecke des Wohnturms
Ende 13. Jh
Mauterndorf - SBG
Die Innenseite eines Mantelkamins im Bergfried. Abdrücke der Schalbretter, und waagrecht durch die Mauerstärke führender Rauchabzug.
Boymont - STI
Konsolen eines verfallenen Mantelkamin im Palas
FB_piper.jpg (34905 Byte) Frauenburg - Stmk
Die heute völlig verschwundene Westseite des Wohnturms mit insgesamt 3 Mantelkaminen. Diese leiten den Rauch nicht über Dach sondern durch die Mauerstärke ab. Mitte 13.Jh.
Zeichnung Piper um 1910.
kraig_kamin_1.jpg (32453 Byte) Kraig - Aussenturm - KTN
Rauchablass am Wohnturm
Wildenburg ( D )
Reste eines Mantelkamins
   
fragenst_abtr_1.jpg (34695 Byte) Fragenstein - Tirol
Die Nische beginnt knapp über dem Fussbodenniveau. Es scheint, daß die Feuerstelle selbst schon in der Mauerstärke lag. Ein in den Wohnraum kragender Mantel ist nicht nachweisbar.
mauterndf_kam_1.jpg (21051 Byte) Mauterndorf - SBG
Mantelkamin in der Türmerwohnung am Bergfried,
Besonders interessant und selten ist die erhaltene Auswechslung der Deckenbalken.
Ende 13.Jh
friesach_kam_01.jpg (21234 Byte) Friesach-Petersberg - KTN
Mantelkamin im Wohngeschoß des Bergfrieds
Wildon - Stmk
Sieht aus wie ein Abtritterker ist aber ein Kamin : Der heiße Rauch wird durch die Wand nach außen geführt. Dort kann er in einem kleinen, auf Konsolen aufsitzenden Raum nach oben steigen und entweicht in einem einfachen rechteckigen Fenster .
 
Bezdez / Bösig Böhmen
Mantelkamin in einem gewölbten Raum des königlichen Wohntraktes. Beachtenswert die am Kaminmantel endende Gewölberippe.
um 1270
Bezdez / Bösig Böhmen
Mantelkamin in einem gewölbten Raum im Burggrafentrakt.
Beachtenswert die am Kaminmantel endende Gewölberippe.
um 1270
klausegg_kamin_1.jpg (43559 Byte) Klausegg - SBG
Der Rauchabzug über der Stubentür ist ein klarer Hinweis auf eine Rauchstube
kloburg_kamin_1.jpg (64490 Byte) Klosterneuburg - NÖ
Babenberger-Pfalz des Leopold VI.
ein seltenes Beispiel für einen Mantelkamin der nicht in einer Raumecke sondern mittig an einer Wand plaziert ist.
um 1200
wimberg_kamin_1.jpg (47873 Byte) Wimberg - NÖ
Rauchablass am gotischen Batterieturm
prandegg_kam_01.jpg (34105 Byte) Prandegg - OÖ
Konsolen eines aussenliegenden Kamins
Kasperk Böhmen
Reste eines Mantelkamins im Raum neben der mittels Kachelofen beheizten Stube.
um 1365
Radyne Böhmen
Reste eines Mantelkamins im Raum neben der mittels Kachelofen beheizten Stube.
um 1365
Helfenburk  Südböhmen
Spätes Beispiel eines Mantelkamins,
um 1380
   
Maulbronn - D
steinerne Kaminhaube für einen offenen Kamin, um 1210
   
Einen wesentliche Fortschritt in der Heiztechnik stellte der Kachelofen dar: Dieser ist zwar seit dem frühen 13.Jh. nachweisbar, setzt sich aber erst ab ca.1300 in großem Umfang durch. Ein entscheidender Vorteil des Kachelofens ist der völlig geschlossene  Heizraum, der einen absolut rauchlosen Wohnraum  ermöglicht.  Weiters können die Kacheln die Hitze des Feuers speichern, und diese langsam, gleichmäßig  und über längere Zeit verteilt an den Wohnraum abgeben. Drittens ist es möglich den Ofen auch von außerhalb des Wohnraums zu beschicken. Der Kachelofen ermöglicht auch eine punktuelle Ableitung des Rauches. Der riesige Mantelkamin der offenen Feuerstelle der den Rauch erst sammeln mußte, konnte durch ein einfaches Loch in der Wand ersetzt werden. Dieses mündet in einen üblicherweise rechteckigen Kaminschacht, der entweder in der Mauerstärke verläuft ( ein eher unspektakuläres Fotomotiv und daher hier nicht vertreten ), oder in einen an der Außenseite des Gebäudes auf Konsolen aufgemauerten Kamin. 
hohensbg_kam_1.jpg (12406 Byte) Hohensalzburg - SBG
außenliegender Kaminschacht auf Konsolen, Ende 15.Jh
aggstein_kamin_1.jpg (22522 Byte) Aggstein - NÖ
außenliegender Kaminschacht auf Konsolen, an der hofseitigen Fassade des Frauenturms (Giebelseite) , Mitte 15.Jh
hanfelden_kam_01.jpg (24009 Byte) Hanfelden - Stmk
Fundament eines Kachelofens. Der Kamin führte in der  nur etwa 60 cm starken Mauer senkrecht nach oben.
Um 1500
schaunbg_kam_02.jpg (42093 Byte) Schaunberg - OÖ
an der Giebelseite des Palas führen außenliegende, auf Konsolen aufliegende Kamine aus mehreren Etagen nach oben, und enden weit unterhalb des Daches in einer einfachen schrägen Öffnung.
Ende 14. Jh.
kirchschl_kamin_1.jpg (37723 Byte) Kirchschlag - NÖ
Reste eines späten Mantelkamins (16.Jh?)
schratten_kamin_1.jpg (35889 Byte) Schrattenberg - STMK
In der Neuzeit kam der offene Kamin wieder in Mode, jedoch eher zu Repräsentationszwecken und nicht als Heizgerät.

Während im Mittelalter nur einzelne bevorzugte Räume beheizbar waren, wurde spätestens im Barock fast jeder Raum mit einem eigenen Ofen ausgerüstet. Dafür mussten neue Kamine angelegt werden, die üblicherweise in das Mauerwerk eingestemmt wurden. Dadurch wurden großflächig mittelalterliche Baubefunde vernichtet.
kirchschlag_kam_02.jpg (20199 Byte) Kirchschlag - NÖ
Kaminschacht in der Mauerstärke
gleichenbg_kamin_1.jpg (29558 Byte) Gleichenberg - STMK
unfreiwilliger Einblick in den Aufbau eines neuzeitlichen Kamins mit 2 Zügen

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